Dokumentenmanagement

Wenn der erfahrene Mitarbeiter geht: Was bleibt vom Wissen?

Die Dateien sind übergeben, doch die Vertretung kommt nicht weiter. Wir zeigen, wie Unternehmen wichtige Entscheidungsgründe, Ausnahmen und Arbeitsanleitungen für einen Mitarbeiterwechsel nutzbar sichern.

Illustration: Zwei Kollegen übergeben Wissen anhand einer Arbeitsanleitung mit Prüfschritten, Entscheidungswegen und einem freigegebenen Beispiel.

Stellen Sie sich eine Übergabe in einem Handelsbetrieb vor: Die Vertretung hat Zugriff auf Bestellungen, Lieferantenlisten und Vorlagen. Dann schlägt ein Lieferant einen Ersatzartikel vor. Darf sie ihn freigeben? Muss der Kunde zustimmen? Der bisherige Ansprechpartner wusste, welche Abweichungen unkritisch waren und wann eine Rückfrage nötig wurde. In der Arbeitsanweisung steht davon wenig.

Die Dateien sind vorhanden. Für die nächste Entscheidung fehlt trotzdem Wissen. Genau hier setzen wir an, wenn ein Dokumentenablauf zu stark von einer einzelnen Person abhängt.

Wissensverlust beginnt bei den fehlenden Entscheidungsgründen

Eine Anleitung kann beschreiben, auf welchen Knopf jemand klickt. Damit ist noch nicht erklärt, warum der Schritt nötig ist, woran man einen Fehler erkennt oder wann der normale Ablauf nicht passt.

Für eine brauchbare Vertretung halten wir deshalb drei Ebenen zusammen:

  • Unterlagen: Welche Vereinbarung, Vorlage oder Produktinformation wird für den Vorgang gebraucht?
  • Entscheidungsregeln: Welche Angaben werden verglichen, welche Abweichungen sind zulässig und wann muss nachgefragt werden?
  • Verantwortung: Wer darf entscheiden, wer gibt eine Ausnahme frei und wer pflegt die Anleitung?

Im Beispiel gehört zum Ersatzartikel also mehr als eine Artikelnummer. Die Vertretung braucht die maßgeblichen Anforderungen, die Grenze ihrer Freigabe und den Ansprechpartner für eine Abweichung. Eine Sammlung alter E-Mails allein erklärt diesen Zusammenhang möglicherweise nicht.

Einen Arbeitsfall erklären lassen

Wir würden die Wissenssicherung mit einem wiederkehrenden Vorgang beginnen, bei dem eine Vertretung heute noch nachfragen muss. Der Fachkundige führt einen normalen Fall vor und erläutert danach eine passende Ausnahme.

Dabei helfen konkrete Fragen:

  1. Woran erkennen Sie, dass der Vorgang vollständig ist?
  2. Welche Unterlage ist für Ihre Entscheidung maßgeblich?
  3. Was prüfen Sie, bevor Sie die Bearbeitung freigeben?
  4. Welche Abweichung verändert den nächsten Schritt?
  5. Wann geben Sie die Frage an jemand anderen weiter?

Die Erklärung kann zunächst als kurze Notiz oder Diktat entstehen. Das senkt die Hürde für jemanden, der seinen Ablauf gut erklären kann, aber nicht nebenbei ein Handbuch schreiben möchte. Vorhandene vertrauliche oder personenbezogene Angaben müssen bei der Auswahl des Beispiels und des Erfassungswegs berücksichtigt werden.

Vom Diktat zur geprüften Arbeitsanleitung

Aus der Erklärung erstellen wir einen überschaubaren Entwurf: Ausgangslage, benötigte Unterlagen, Prüfschritte, Entscheidung, Ausnahme und erwartetes Ergebnis. Eine Spracherkennung oder KI kann beim Ausformulieren helfen. Ob die Regeln vollständig und richtig sind, entscheidet der Fachkundige.

Für unser Beispiel könnte das Ergebnis aus einer kurzen Anleitung, einem ausgefüllten Musterfall und einem klar gekennzeichneten Ausnahmefall bestehen. Offene Punkte bleiben als Rückfrage sichtbar. Eine vermutete Freigabegrenze darf nicht als bestätigte Regel in die Anleitung gelangen.

Warum diese Prüfung zum Ablauf gehört, zeigt unser eigener Messekontakt-Pilot: Das Diktat wurde gut erkannt; die erste Zuordnung zu den Formularfeldern mussten wir trotzdem verbessern. Erst die korrigierte und geprüfte Fassung wurde zur weiteren Bearbeitung freigegeben. Für Wissensübergaben leiten wir daraus ab: Ein verständlicher Text ist ein Entwurf, bis Inhalt und Einsatzgrenzen geprüft sind.

Wie wir gesprochene Angaben mit Dokumenten und Abläufen verbinden, erläutern wir auch im Beitrag Spracherkennung und Dokumentenmanagement zusammen denken.

Die Vertretung muss damit arbeiten können

Den entscheidenden Test würden wir mit einem weiteren, bislang nicht vorgeführten Fall durchführen. Die Vertretung erhält die Anleitung und die zugehörigen Unterlagen. Sie soll erkennen können, was sie selbst bearbeiten darf und wann sie nachfragen muss.

Wir würden festhalten, wo sie stockt, welche Unterlage fehlt und welche Regel missverständlich ist. Daraus entsteht die nächste geprüfte Fassung. Erst dieser Versuch zeigt, ob die Erklärung für jemand anderen nutzbar geworden ist.

Eine gezielt gestellte Rückfrage kann dabei das richtige Ergebnis sein: etwa wenn der Ersatzartikel eine Anforderung verändert und die Freigabe des Kunden fehlt. Die Anleitung soll zu einer begründeten Entscheidung führen.

Welche Rolle OpenKM dabei spielen kann

OpenKM kann geprüfte Anleitungen, Beispiele und Vorgangsdokumente in einem gemeinsamen Dokumentenbestand bereitstellen. Versionierung und Berechtigungen unterstützen dabei, maßgebliche Fassungen und passende Zugriffe zu verwalten. Der OpenKM-Beitrag über Wissensverlust beim Mitarbeiterwechsel beschreibt diesen Zusammenhang zwischen Erfahrungswissen und Dokumentenorganisation.

Für die Einführung übersetzen wir das in konkrete Fragen: Wo liegt die gültige Anleitung? Mit welchen Beispielen und Unterlagen ist sie verbunden? Wer darf sie ändern? Wer übernimmt offene Vorgänge? Welche Zugriffe müssen beim Rollenwechsel angepasst werden?

Die fachlichen Regeln und Zuständigkeiten müssen dafür im Unternehmen geklärt werden. Welche Freigaben und Übergaben sich technisch abbilden lassen, prüfen wir an der vorhandenen Installation und dem vereinbarten Ablauf.

Vor dem Mitarbeiterwechsel mit einem wichtigen Vorgang anfangen

Ein sinnvoller erster Schritt ist eine Tätigkeit, die regelmäßig vorkommt und heute vom Wissen einer einzelnen Person abhängt. Dafür lassen sich eine Erklärung, eine geprüfte Anleitung und ein Versuch durch die Vertretung vereinbaren. Ein Verantwortlicher hält anschließend Regeln und Beispiele aktuell.

Wenn Sie eine solche Übergabe vorbereiten, beschreiben Sie uns kurz den betreffenden Vorgang: Was muss die Vertretung später entscheiden können, welche Unterlagen gibt es und wo muss sie heute noch nachfragen? Für die erste Anfrage benötigen wir keine vertraulichen Dokumente. Umfang, Ergebnis und Aufwand einer vertieften Beratung oder Erprobung stimmen wir vorab mit Ihnen ab.

Faustmann UG

Dokumente sind Vermögen. Wir machen sie digital steuerbar.

Wir begleiten mittelständische Unternehmen beim Aufbau sicherer, strukturierter und nachvollziehbarer Dokumentenprozesse: mit OpenKM als DMS-Kern, bevorzugt in der Yorizon-EU-Cloud, alternativ auf eigener Infrastruktur.

Kontakt aufnehmen

Sie prüfen gerade ein DMS oder möchten OpenKM strukturiert einführen?

Fragen Sie unverbindlich per E-Mail an. Wir ordnen Ihr Anliegen ein und stimmen den passenden nächsten Schritt direkt mit Ihnen ab.