Ein Onlineshop soll verkaufen. Also braucht er Produkte, Preise, einen Warenkorb und einen möglichst kurzen Weg zur Kasse. Diese Logik ist plausibel – aber nicht für jedes Angebot richtig.
Was geschieht, wenn vor dem Kauf wichtige Fragen geklärt werden müssen?
- Passt der Fahrradträger wirklich zum Fahrzeug und zu den Fahrrädern?
- Welche Ausführung einer Designleuchte ist verfügbar und für den Einsatz geeignet?
- Welche Swimwear passt nicht nur nach Größentabelle, sondern auch zu Körperform, Stil und Anlass?
Ein schneller Kaufknopf beantwortet diese Fragen nicht. Im ungünstigsten Fall beschleunigt er nur eine unpassende Bestellung.
Deshalb entwickeln wir bei Faustmann ein anderes Modell: den Onlineshop mit Beratung. Produkte bleiben online sichtbar und vergleichbar. Der Kunde konkretisiert sein Interesse. Verbindlich wird der Vorgang erst nach persönlicher Prüfung und einem passenden Angebot.
Wir erproben dieses Modell bei Kandem Retro, ecomofa und FISHKISS – in drei sehr unterschiedlichen Produktwelten.
Der Engpass liegt vor dem Kauf
Standardisierte und verfügbare Produkte lassen sich hervorragend direkt online verkaufen. Bei erklärungsbedürftigen Produkten liegt der Engpass jedoch vor dem Kauf: Der Kunde muss Varianten, technische Voraussetzungen, persönliche Anforderungen oder begrenzte Verfügbarkeit richtig einordnen.
Viele Shops antworten darauf mit immer mehr Auswahlfeldern und Tabellen. Das kann helfen, verlagert aber schnell die Verantwortung auf den Kunden. Er soll dann selbst beurteilen, was eigentlich Fachwissen verlangt.
Unser Ansatz ist anders: Der digitale Auftritt bereitet die Entscheidung vor. Die letzten wichtigen Fragen werden persönlich geklärt. Erst danach entsteht ein konkretes Angebot oder ein verbindlicher Auftrag.
Ein sinnvoller Beratungsschritt verhindert Fehlkäufe, schafft Vertrauen und erleichtert die Entscheidung.
Mehr als ein Anfrageformular
Ein Beratungsshop soll die persönliche Fachberatung nicht ersetzen, sondern wirksam vorbereiten und ohne unnötige Medienbrüche weiterführen:
- Produkt, Variante und Nutzungssituation gelangen strukturiert in die Anfrage.
- Der Kunde beantwortet nur die fachlich notwendigen Zusatzfragen.
- Ein verantwortlicher Ansprechpartner prüft die entscheidenden Punkte.
- Aus der Beratung entstehen Empfehlung, Angebot oder Auftrag.
- Der Vorgang bleibt bis zu Lieferung und Rechnung nachvollziehbar.
Der Unterschied liegt daher nicht in einem einzelnen Plugin. Entscheidend ist die Verbindung aus digitaler Orientierung, persönlicher Verantwortung und geregelter Weiterbearbeitung.
Vom Produktkatalog zum Beratungskatalog
WooCommerce kann weiterhin Produkte, Bilder, Varianten, technische Angaben und Preise verwalten. Der Kundenweg verändert sich jedoch:
- Entdecken: Der Kunde findet eine passende Produktwelt.
- Verstehen: Die Produktseite erklärt Nutzen, Varianten, Eignung und Grenzen.
- Anfragen: Produkt und gewählte Ausführung werden übernommen.
- Bedarf ergänzen: Der Kunde nennt die notwendigen Angaben.
- Persönlich prüfen: Kompatibilität, Passform, Verfügbarkeit oder Lieferzeit werden geklärt.
- Empfehlen: Der Kunde erhält eine Rückfrage, Empfehlung oder ein Angebot.
- Verbindlich werden: Erst danach folgen Auftrag, Lieferung und Rechnung.
Die persönliche Prüfung muss einen erkennbaren Nutzen haben. Andernfalls wäre die zusätzliche Stufe nur umständlich.
Drei Produktwelten, ein Prinzip
Kandem Retro: Eine Designleuchte ist mehr als eine Artikelnummer
Auf kandem-retro.de präsentiert die KANDEM Leuchten GmbH historische Designleuchten und neu gefertigte Klassiker. Faustmann ist offizieller Handelspartner und übernimmt nach einer Anfrage die persönliche Beratung sowie die Angebots- und Verkaufsabwicklung.
Bei einer solchen Leuchte können Modell, Farbe, Material, technische Ausführung, Stückzahl, Einsatzort und Lieferzeit zu klären sein. Deshalb funktioniert der Auftritt als Produkt- und Beratungskatalog:
- Produkte und Designgeschichte bleiben sichtbar.
- Der Kunde fragt eine konkrete Leuchte unverbindlich an.
- Produkt, Variante und Menge werden übernommen.
- Wir prüfen die gewünschte Ausführung mit KANDEM.
- Erst danach erhält der Kunde ein konkretes Angebot.
So verbinden sich Herstellerverantwortung, eigenständige Markenwelt und persönliche Abwicklung durch einen Handelspartner.
ecomofa: Kompatibilität ist Teil des Produkts
Bei ecomofa beschäftigen wir uns mit Mobilitätsprodukten, Fahrzeugzubehör und Transportlösungen. Auch hier reicht eine Artikelnummer häufig nicht aus.
Bei einem Fahrradträger können Fahrzeugmodell, Anhängerkupplung, Stützlast, Zahl und Gewicht der Fahrräder sowie besondere Rahmenformen entscheidend sein. Der Nutzen besteht nicht darin, möglichst schnell irgendeinen Träger zu bestellen, sondern eine passende und belastbare Kombination zu finden.
Für ecomofa entwickeln wir den Beratungsshop als eigenen technischen Pilot:
- Produktseiten erklären reale Einsatzsituationen.
- Varianten werden vergleichbar gemacht.
- Fahrzeug- und Nutzungsangaben fließen in die Anfrage ein.
- Beratung, Angebot und Abwicklung bleiben verbunden.
- Wiederkehrende Fragen verbessern die Produktseiten.
Weil wir ecomofa selbst betreiben, erleben wir unmittelbar, welche Angaben im Alltag helfen und wo Kunden tatsächlich Orientierung benötigen.
FISHKISS: Persönliche Empfehlung statt anonymer Größenmatrix
FISHKISS überträgt dasselbe Prinzip in eine völlig andere Welt. Die Marke steht für individuelle, von der Designerin Maria kuratierte Swimwear und ein persönliches Ateliererlebnis – auch aus der Ferne.
Entscheidend sind passende Größen und Mischgrößen, Passform, Proportionen, Stil, Anlass, gewünschte Wirkung, relevante Maße und bereits vorhandene FISHKISS-Produkte. Der geplante Atelierkatalog ist deshalb kein beliebiger Wunschkonfigurator, sondern ermöglicht eine qualifizierte Vorauswahl:
- Der Kunde entdeckt Grundmodelle, Stilwelten, Prints, Farben und Mix-&-Match-Ausführungen.
- Er nennt Größe, Anlass, gewünschte Wirkung und relevante Maße.
- Maria entwickelt daraus mit ihrer Erfahrung eine persönliche Empfehlung.
- Sie kann eine andere Zusammenstellung vorschlagen, wenn diese voraussichtlich besser passt.
- Erst danach folgen konkrete Empfehlung, verbindliche Bestellung und Abwicklung.
Der digitale Ablauf befindet sich noch in der Weiterentwicklung. Gerade daran zeigt sich: Der technische Kern kann wiederverwendbar sein, während Sprache, Gestaltung und Beratungserlebnis vollständig zur Marke passen müssen.
Wir standardisieren den Prozess, nicht die Marke
Kandem Retro, ecomofa und FISHKISS sollen nicht wie Kopien derselben Website wirken. Wiederverwendbar sind vor allem die unsichtbaren Bausteine:
- Produkt und Variante in eine Anfrage übernehmen,
- nur notwendige Zusatzfragen stellen,
- Anfragen gegen Verlust sichern,
- Herkunft und Produktkontext speichern,
- Zuständigkeit und Bearbeitungsstatus festlegen,
- aus der Beratung ein belastbares Angebot entwickeln,
- Auftrag, Lieferung und Rechnung kontrolliert weiterführen.
Die Oberfläche bleibt markenspezifisch: ecomofa spricht über Technik und Kompatibilität, Kandem Retro über Design und Ausführung, FISHKISS über Stil, Passform und Marias persönliche Empfehlung.
Wir standardisieren den Prozess, nicht die Persönlichkeit der Marke.
Ein Kontaktformular ist noch kein Beratungsprozess
Nach dem Absenden beginnen die entscheidenden Fragen: Wer übernimmt die Beratung? Welche Rückfragen sind offen? Wurde ein Angebot erstellt? Welche Lieferung, Rechnung und Korrespondenz gehören später dazu?
Wenn diese Informationen über Postfach, Notizzettel und mehrere Systeme verteilt bleiben, endet die Digitalisierung am Formular.
WordPress und WooCommerce bilden deshalb die öffentliche Produkt- und Anfrageoberfläche. ERPNext kann Leads, Angebote, Aufträge, Lieferungen und Rechnungen führen. OpenKM kann zugehörige Dokumente und Nachweise in digitalen Akten sichern, wenn Umfang und Anforderungen dies sinnvoll machen.
Nicht jedes Projekt benötigt sofort die vollständige Integration. Die Architektur sollte aber verhindern, dass mit wachsender Nachfrage immer mehr manuelle Brüche entstehen.
Für wen das Modell sinnvoll ist
Ein Onlineshop mit Beratung eignet sich besonders für:
- Hersteller mit Varianten oder Projektgeschäft,
- Fachhändler, die Kompatibilität und Eignung prüfen müssen,
- Manufakturen mit begrenzter Verfügbarkeit oder individueller Finalisierung,
- Design- und Premiummarken,
- kleinere Unternehmen, bei denen persönliche Beratung eine echte Stärke ist.
Er darf kein Vorwand für unklare Preise, langsame Reaktionen oder unnötige Hürden sein. Ist ein Produkt eindeutig, verfügbar und standardisiert, bleibt der Direktkauf häufig die beste Lösung.
Deshalb unterscheiden wir vier Wege: Katalog, Beratung, Anfrage und Direktkauf. Produkt und Kundensituation bestimmen, welcher sinnvoll ist.
Unser Ansatz
Wir beginnen nicht beim Theme oder Plugin, sondern beim Engpass:
- Warum kann der Kunde heute noch nicht sicher entscheiden?
- Welches Wissen des Anbieters wird online noch nicht sichtbar?
- Welche wenigen Informationen braucht eine qualifizierte Beratung?
- Wo entstehen Medienbrüche zwischen Website, E-Mail, Angebot und Auftrag?
- Welche persönliche Leistung soll erhalten und digital unterstützt werden?
Erst danach entscheiden wir, welche Funktionen WordPress, WooCommerce, ERPNext, OpenKM oder eine gezielte Erweiterung übernehmen.
Unser Ziel ist nicht das komplizierteste System, sondern der kleinste durchgängige Prozess, der dem Kunden bei einer guten Entscheidung hilft und intern zuverlässig weiterbearbeitet werden kann.
Fazit
Der Kaufknopf ist ein gutes Werkzeug. Aber er ersetzt keine Beratung.
Bei hochwertigen, individuellen oder technisch erklärungsbedürftigen Produkten entsteht Vertrauen, wenn der Kunde versteht, worauf es ankommt, seine Situation einfach beschreiben kann und eine fachlich belastbare Rückmeldung erhält.
Mit Kandem Retro, ecomofa und FISHKISS setzen wir dieses Prinzip in drei sehr unterschiedlichen Produktwelten um. Dadurch lernen wir, wie Produktdarstellung, persönliche Verantwortung und interne Abwicklung tatsächlich zusammenspielen.
Passt ein Beratungsshop zu Ihrem Angebot?
Sie verkaufen hochwertige, individuelle oder technisch erklärungsbedürftige Produkte und merken, dass ein normaler Warenkorb Ihre Beratungsleistung nicht abbildet?
Wir prüfen mit Ihnen, wo Kunden Orientierung verlieren, welche Angaben eine sinnvolle Vorprüfung benötigt, welche Produkte direkt kaufbar sind und wie aus einer Anfrage ein nachvollziehbares Angebot wird.
Oft beginnt die richtige Lösung nicht mit einem großen Shopprojekt, sondern mit einer starken Referenzproduktseite und einem einzigen, durchgängig funktionierenden Anfrageweg.
Sprechen Sie mit uns über Ihren Beratungsshop und digitalen Angebotsprozess.